24. Januar | Die Nacht, in der ein Berg brennt: Wakakusa Yamayaki, Naras Feuer des Gedenkens und der Erneuerung

Am vierten Samstag im Januar färbt sich der Nachthimmel über der alten Hauptstadt Nara rot.
Das ist weder ein Unfall noch ein Waldbrand, sondern Wakakusa Yamayaki (das Abbrennen des Wakakusa-Bergs), eine Tradition, die seit Hunderten von Jahren besteht.

Bei diesem gewaltigen Ereignis wird ein ganzer, 342 Meter hoher Berg abgebrannt, und zusammen mit einem Feuerwerk erfüllt es den kalten Winterhimmel mit Glut.
Warum zünden die Japaner einen Berg an, auf dem so schön Gras wächst?

🔥 Aus einem Streit geboren? Ein Feuer des Gedenkens

Über den Ursprung gibt es verschiedene Theorien, die bekannteste ist ein „Grenzstreit“.
In der Edo-Zeit sollen zwei benachbarte große Tempel (Todai-ji und Kofuku-ji) um ihre Grenze gestritten haben; als Lösung habe man den Berg abgebrannt (heute geschieht es zum Gedenken an die Vorfahren, zur Seelenruhe der Verstorbenen und zum Katastrophenschutz).

Tipps zum Zuschauen

Am Abend steigen zunächst mehrere hundert Feuerwerksraketen auf, unmittelbar danach wird der Berg auf einmal entzündet.

  • Visuelle Kontraste: der klare Winternachthimmel, das Licht des Feuerwerks und die roten Flammenbänder, die über die Berghänge kriechen. Dieser dreifache Kontrast ist überwältigend.
  • Vorbereitung auf die Erneuerung: Der abgebrannte Berg wird schwarz, doch die Asche dient als Dünger, und im Frühling sprießt umso schöneres junges Gras (Wakakusa). Es ist kein Feuer der Zerstörung, sondern eines der Erneuerung.

Der ganze Berg steht nur etwa 30 Minuten bis eine Stunde in Flammen.
Dieser vergängliche und doch kraftvolle Anblick wird zu einem Höhepunkt Ihrer Winterreise in Japan.